Zum Inhalt springen

VABO

Das Vorqualifizierungsjahr mit dem Schwerpunkt „Erwerb von Deutschkenntnissen“ (VABO) für junge Flüchtlinge

Der Schwerpunkt des Bildungsganges in der Paulinenpflege Winnenden ist die fehlenden Deutschkenntnisse zu erwerben sowie der „traumapädagogische Ansatz“ . Ein weiteres Ziel dieses neuen Bildungsganges an der Berufsschule des BBW Winnenden ist es, dass die jungen Flüchtlinge ausbildungsreif werden. Die jungen Männer kommen aus Syrien, Afghanistan, Irak, Libanon, Eritrea und Pakistan. Deutschkenntnisse sind eine wichtige Voraussetzung, um eine Ausbildung anzufangen. Die meisten der Schüler haben bereits die Deutschkenntnisse-Prüfung A 1 geschafft. Und das, obwohl einige davon erst seit zwei Monaten da sind.

Im Juli 2016 werden einige Schüler zur Sprachprüfung A2 / B1 antreten. Diese Prüfung muss vor externen Prüfern abgelegt werden. Genauso wichtig wie Deutschkenntnisse ist es aber, dass die unbegleiteten jungen Männer wirklich innerlich ankommen in Deutschland. Erst dann können sie „mit klarem Kopf“ eine Ausbildung beginnen. „Wir möchten einen Ort der äußeren und inneren Sicherheit bieten.“ „Dazu soll unsere Schule helfen“, erklärt Schulleiterin Christiane Sättler-Adel, „und wir sehen auch schon einige Erfolge.“  Einer der Erfolge sei beispielsweise, dass schon einige der Schüler erfolgreich Praktika außerhalb der Paulinenpflege absolvieren können.

Im September 2015 ging die neue Schule mit einer Schulklasse in Betrieb. Von Anfang an wollte die Paulinenpflege aufgrund ihrer großen Erfahrung  im Schulunterricht für Schüler mit besonderem Förderbedarf kleinere Klassen als üblich organisieren.  Mehr als 12 Schüler sollen nicht gemeinsam unterrichtet werden, obwohl staatliche Stellen 18 Schüler pro Klasse für möglich halten.  Die Paulinenpflege blieb bei ihrer kleineren Klassengröße. Die finanziellen Zuweisungen, die die Paulinenpflege bekommt, sind deshalb nicht kostendeckend. Da die Paulinenpflege aufgrund der guten Erfahrungen bei ihrer kleinen Klassengröße bleiben wird, wird dieser neue Bildungsgang auch weiterhin ein Zuschussgeschäft bleiben.

Inzwischen umfasst dieser neue Bildungsgang drei Klassen mit insgesamt 34 Flüchtlingen. Diese Klassen wurden zunächst nicht nach Bildungsniveaus aufgeteilt, weil man damit die Zusammensetzung der Klassen hätte mehrmals verändern müssen.  Christiane Sättler-Adel: „Die Sicherheit im Klassenverband ist wichtig für unsere Schüler. Gerade weil sie ja allein gekommen sind und deshalb hier eine neue Gemeinschaft brauchen.“  Deshalb sind die Klassen mit der Zahl der angekommenen Flüchtlinge kontinuierlich gewachsen bzw. neu eröffnet worden.  Zugeteilt wurden die minderjährigen Flüchtlinge vom Kreisjugendamt des Rems-Murr-Kreises.

Zum traumapädagogischen Ansatz gehört es, dass die Schüler sich auch während des Unterrichts eine Auszeit nehmen können. Sie dürfen sich in einen Ruheraum zurückziehen. Vorher müssen sie sagen, wie lange diese Auszeit dauern soll. Erwartet wird, dass die jungen Männer danach selbständig zurück kommen und nicht geholt werden müssen.  „Kennzeichnend für ein Trauma ist der Kontrollverlust, den man erlitten hat. Die jungen Männer sollen in unserer Schule erfahren, dass sie sich selbst kontrollieren dürfen und das auch können.“

Negative Erfahrungen mit dem Verhalten der Flüchtlinge hat man in der Paulinenpflege noch nicht gemacht. „Die jungen Männer sind eher respektvoller gegenüber älteren Menschen als normale Schüler in Deutschland“, erklärt  Christiane Sättler- Adel, „weil sie das von ihrer Heimat so gewohnt sind.“ Auch gegenüber jüngeren Mitarbeiterinnen in den Wohngruppen gab es keine „Vorkommnisse“. Einer der Flüchtlinge habe einmal in seiner Wohngruppe eine Mitarbeiterin gefragt, warum sie kein Kopftuch trage. Man habe ihm dann aber sehr klar gemacht, dass dies hier nicht üblich sei.

Die Unterbringung der Flüchtlinge

Die Schüler aus dem VABO sind in sehr unterschiedlichen Wohnformen untergebracht.

Einige wohnen in dezentralen Wohngruppen der Paulinenpflege, in der ständig Mitarbeiter anwesend sind. Weitere wohnen im „Betreuten Jugendwohnen“. In einer solchen Wohnung leben die Bewohner weitgehend selbständig, und werden je nach Bedarf ein- oder mehrmals pro Woche von einem Mitarbeiter besucht. Zwei der Schüler wohnen wie erwachsene Asylbewerber in einer Turnhalle, einer in einer Gastfamilie.

Pro Flüchtling bezahlt das Kreisjugendamt 30 Dolmetscherstunden – und zwar egal wie lange der Flüchtling da ist. Mit den meisten Flüchtlingen können bereits nach wenigen Monaten Alltagsgespräche auf Deutsch geführt werden.

Bei den Freizeitangeboten sind die Flüchtlinge zu denselben Veranstaltungen eingeladen wie die anderen Schüler und Auszubildenden in der Paulinenpflege. Umgekehrt nehmen „normale“ Schüler und Azubis an Aktivitäten ehrenamtlicher Helfer wie Trommel- oder Gitarrenunterricht teilnehmen, die von den Ehrenamtlichen ursprünglich speziell für die Flüchtlinge angeboten wurden.

Informationen zur Traumapädagogik