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VABO

Das Vorqualifizierungsjahr mit dem Schwerpunkt „Erwerb von Deutschkenntnissen“ (VABO) für junge Flüchtlinge in der Paulinenpflege Winnenden e.V.

Das staatlich genehmigte VABO ist – inzwischen im fünften Schuljahr - eine einjährige Vollzeitschule mit einer traumapädagogischen Konzeption.

Der Bildungsgang führt zu den Sprachniveaus A2 und B1 in einer sozial-emotional stabilisierenden Schulumgebung.

Durch traumapädagogisch ausgebildete Lehrkräfte, ein kunsttherapeutisches Angebot und sozialpädagogische Begleitung wird den oftmals traumatisierten Schüler*innen mit Fluchterfahrung und Migrationshintergrund ein sicherer Ort geschaffen. „Wir bieten einen Ort der äußeren und inneren Sicherheit.“ erklärt Schulleiterin Christiane Sättler-Adel.

Dieser sichere Ort als Grundlage der im Schulwesen noch neuen Traumapädagogik kann traumatisierten und hoch belasteten Kindern und Jugendlichen ermöglichen, in Deutschland anzukommen, eine ruhige Seele zu finden und damit die Voraussetzung für das Lernen und das Erlangen der Ausbildungsreife zu entwickeln. Dies braucht viel Zeit, Geduld und eine gute Stabilität der Lehrkräfte, da die Dynamik von erlebten Traumata stark in die Beziehung zu Lehrkräften übertragen wird. Unsere Schülerinnen und Schüler dürfen bei uns die Erfahrung machen, dass sie auch bei innerer Unruhe, Vermeidungsverhalten oder Flashbacks nach traumatischen Erlebnissen angenommen werden, hier sicher sind und in ihrem eigenen Tempo lernen dürfen.

Zum traumapädagogischen Ansatz gehört es, dass die Jugendlichen sich auch während des Unterrichts eine Auszeit nehmen können. Sie dürfen sich in einen Ruheraum zurückziehen. Vorher müssen sie sagen, wie lange diese Auszeit dauern soll. Erwartet wird, dass die  Schülerinnen und Schüler danach selbständig zurück kommen und nicht geholt werden müssen.  „Kennzeichnend für ein Trauma ist der Kontrollverlust, den man erlitten hat.  Die jungen Menschen sollen in unserer Schule erfahren, dass sie sich selbst kontrollieren dürfen und das auch können – dazu trägt das Auszeitmodell bei. Unterstützt werden die Jugendlichen von der Gestaltungs – und Kunsttherapeutin Frau Glemser, die ihnen Wege zum Ausdruck und zur Verarbeitung von Traumata zeigt.

Im traumapädagogischen Aufnahmeverfahren haben wir unsere Grundsätze festgelegt: unsere Haltung, Methoden und Ziele. In unserer wöchentlichen Teamsitzung hat die traumapädagogische Fallbesprechung mit Diagnostik ihren festen Platz.

Die Regulierung von Gefühlen, das Auszeitkonzept und weitere traumapädagogische Maßnahmen ermöglichen ein stabiles Lern – und Leistungsvermögen.

Erst dann können sie mit „klarem Kopf“ eine weiterführende Schule besuchen oder eine Ausbildung beginnen.

In kleinen Klassen von maximal 14 Schülerinnen und Schülern kann jeder Jugendliche seinen Weg finden. Im aktuellen Schuljahr 2019/20 haben wir eine Schulklasse mit Schülerinnen und Schülern aus Afghanistan, Gambia, Guinea und aus dem Irak.

Leider ist aktuell die Finanzierung des VABO gefährdet, da Privatschulen anders finanziert werden als staatliche Schulen. Wir arbeiten weiter an einer kostendeckenden Refinanzierung durch das Land Baden-Württemberg, damit junge traumatisierte Flüchtlinge und Zuwanderer ihren sicheren Ort zum Lernen finden und ihren Weg stabil gehen können.

Downloads

  • Flyer-VABO-2018.pdf Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen 127 KB