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Ein Unterrichtsbegleiter auf vier Pfoten

„Socke ist da!“ ein Schild mit knuffigen Hunde-Fotos an den Türen des neuen Berufsschulstufen-Gebäudes der Paulinenpflege Winnenden verkündet, dass heute irgendetwas anders ist. Klar: Heute ist Dienstag, und Dienstag bzw. Donnerstag ist Socke-Tag.

Das wissen die rund 30 Schülerinnen und Schüler – auch ohne Schild. „Am Anfang war das eine Art ‚Warnschild‘, damit die Schüler nicht erschrecken, wenn plötzlich der Hund ums Eck biegt. Inzwischen fragen die meisten Schüler schon am Anfang der Woche, ob Socke am Dienstag und Donnerstag wieder in die Schule kommt“, erzählt Lehrer und Socke-Herrchen Samuel Krusemark. Auch Socke, der ein Labradoodle, also eine Kreuzung zwischen Königspudel und Labrador ist, freut sich auf seine Schultage. „Socke hüpft schon im Schulparkhaus aus dem Auto und rennt Richtung Treppenhaus. Er kann’s kaum erwarten bis er in den Schulräumen ist“, berichtet Samuel Krusemark von seinem Arbeitsbeginn an den Socke-Tagen.

Obwohl Socke eine Hundeschule besucht hat, war es nie geplant, dass er ein Unterrichtsbegleiter oder Therapiehund wird. Samuel Krusemark hat Socke einfach mal spontan in den Unterricht in die Berufsschulstufe nach Winnenden mitgenommen. Als die Schüler positiv reagiert haben, war die Idee geboren, dass Socke ein regelmäßiger Unterrichtsbegleiter werden sollte. Nachdem auch das Lehrer-Kollegium und die Schulleitung nichts gegen einen Socke-Tag hatten, war klar: Socke wird zum regelmäßigen Unterrichtsbegleiter auf vier Pfoten.

„Es geht mir gut, weil Socke da ist“, das hört Sonderschullehrer Krusemark öfters, wenn er seine Schülerinnen und Schüler nach der Befindlichkeit zum Unterrichtsstart fragt. Und nicht nur das: „Der Hund verschafft den Jugendlichen mit Behinderung mehr Selbstbewusstsein. Sie spüren: Socke mag mich, hat keine Vorurteile gegen mich! Das ist für unsere Schüler, die auch negative Erfahrungen mit ihrer Behinderung gemacht haben, sehr wichtig“, freut sich Samuel Krusemark über Sockes Wirkung im Klassenraum.

Ein weiterer positiver Nebeneffekt des Vierbeiners in der Schule: Ist Socke da, ist es automatisch leiser in der Klasse von Samuel Krusemark, denn auf Socke nehmen die Schüler gerne Rücksicht, vor allem, wenn er schläft. Die Konzentration verbessert sich ebenfalls durch den Hund, gerne legt Socke auch mal seinen Kopf auf die Füße der Schüler – so „müssen“ die Jugendlichen sitzen bleiben und weiter arbeiten.

Selbst Jugendliche mit Autismus, die oft große Schwierigkeiten mit der Kontaktaufnahme haben, tauen dank dem fröhlichen Labradoodle auf. Sie streicheln Socke und geben ihm Befehle wie „Sitz“ oder „Platz“. Da staunt auch die Abteilungsleiterin der Berufsschulstufe, Eva Rustemeier: „Der Hund kommt an manche Jugendliche besser ran als wir Pädagogen. Socke ist eine echte Bereicherung für unsere Schule!“ Und nicht nur in den Schulräumen ist Socke ein Star – auch in den Pausen auf dem Schulhof tollen die Schüler mit Socke über den Hof und selbstverständlich war der Vierbeiner auch im Schullandheim mit dabei.

Es versteht sich von selbst, dass die Berufsschulstufen-Schüler inzwischen absolute Hundekenner sind. Als Einführung haben sie gelernt, wie die Körpersprache des Hundes aussieht und was sie bedeutet. Auch andere nützliche Dinge lernen die Schüler, z.B. dass niemand zu fremden Hunden hingehen oder vor ihnen wegrennen soll. Ein absolutes No-Go ist auch, das Fressen vom Hund wegzuziehen. Selbst Schüler, die früher vor Hunden Angst hatten, haben diese Angst verloren, weil Socke etwas Besonderes an sich hat. „Socke spürt sofort, wenn eine Schülerin oder ein Schüler nicht gut drauf oder traurig ist. Dann stupst er diejenige oder denjenigen an und schon huscht wieder ein Lächeln über das traurige Gesicht!“, sagt Samuel Krusemark.

Und als hätte er es verstanden, verlässt Socke in diesem Moment seinen Schlafplatz, läuft durch das Klassenzimmer und schaut, ob es seinem „Schüler-Rudel“ gut geht.