Das Schulleiter-Leben ist kein Schlotzer – das gilt sicher auch für Gottfried Götz, der seit 20 Jahren die Bodenwaldschule der Paulinenpflege leitet und jetzt in den Ruhestand geht. Aber: „Die Bodenwaldschule war für mich ein Stück Heimat. Ich komme hier rein und es öffnet sich eine schöne Welt – es wirkt nicht wie ein Schulhaus“. Damit meint Gottfried Götz nicht nur die freundliche Architektur: „Mir wird das Schulleben insgesamt fehlen. Es war ein wesentlicher Teil meines Lebens. Hier ist immer etwas los, ich darf ständig neue Menschen kennenlernen und mit meinem Team für Probleme neue Lösungen finden.“
Kurz vor den Sommerferien darf der Sonderpädagoge auch noch einmal der Bürgermeister der Spielstadt „Chefhausen“ sein. Dort bekommt er als Abschiedsgeschenk der Candy-Werkstatt den heiß ersehnten „Schlotzer“ (schwäbisch für Lolly) geschenkt. Auch sonst ist der Noch-Bürgermeister ein gern gesehener Gast: In dieser ganz besonderen Stadt, in die sich die Bodenwaldschule jedes Jahr für eine Woche verwandelt, gibt es u.a. ein Arbeitsamt, eine Bank, ein Tattoo-Studio, eine Holzwerkstatt oder auch eine Suppenküche. Die Spielstadt ist aber weit mehr als ein Spiel: „Unsere Kinder und Jugendlichen genießen hier die größtmögliche Freiheit und Selbständigkeit. Sie können Geld verdienen und damit vielleicht zum ersten Mal im Leben nach Lust und Laune einkaufen. Und sie lernen im Lauf der Woche auch, dass Sparen ebenfalls einen Sinn hat.“
In die Paulinenpflege ist Gottfried Götz bereits 1985 gekommen, damals als Musik- und Klassenlehrer von einer Grundschule in Ulm, zwei Jahre später das Sonderpädagogik-Aufbaustudium und dann upgedatet zurück in die Bodenwaldschule. Dass er bald zum Konrektor und 2006 zum Schulleiter wird, nennt er „eine Fügung“.
Im Lauf der Zeit hat sich vieles verändert – nicht nur die Schülerzahlen, die derzeit zwischen 120 und 130 Kindern und Jugendlichen liegen oder die Bezeichnung: Aus der „Erziehungshilfeschule“ ist ein „Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum für emotionale und soziale Entwicklung“ geworden: „Auch die Kinder und Jugendlichen, die bei uns beschult werden, haben sich gewandelt. Es gibt mehr auffällige Kinder mit diagnostischem Bedarf, z.B. ADHS oder Autismus. Auch die Leistungsbereitschaft hat weiter abgenommen. Deshalb müssen wir ständig dazulernen und ausprobieren, wie wir diesen Herausforderungen und somit unseren Schülern gerecht werden“, sagt Gottfried Götz.
In bester Erinnerung bleiben Gottfried Götz besondere Aktionen, wie z.B. mit einem bunten Traktor, einem Zirkuswagen und fünf Schülern über die Lande zu tingeln, Brückenspringen oder Höhlentauchen. „Das Schönste ist aber, wenn Ex-Schüler zu Besuch kommen und selbst erzählen, was hier gut war und wie wir an ihrem Lebensweg positiv beteiligt waren.“
Vorstand Andreas Maurer ergänzt bei der Entpflichtung von Gottfried Götz in der Stadtkirche: „Du hast die Kinder an der Bodenwaldschule alle als Geschöpfe Gottes gesehen, auch die, die immer wieder besonders herausfordernd waren. Aber gerade dadurch, dass Du, und auch viele in Deinem Team, sie anders wahrgenommen haben, als sie sonst überall wahrgenommen werden, gab diesen Kindern eine Chance, sich zu verändern und sich weiterzuentwickeln. Du hast damit unzähligen jungen Menschen Wege gebahnt und Brücken in ihre Zukunft gebaut. Du hast damit maßgeblich dazu beigetragen, dass die Paulinenpflege ihre Daseinsberechtigung hat, nämlich für Menschen Wege zu bahnen, die sie ohne Unterstützung nicht gehen könnten. Dafür möchte ich Dir im Namen der Paulinenpflege ganz herzlich danken“.
Kraft geschöpft hat er zudem oft aus der Musik – Gottfried Götz ist Cellist und Dirigent eines Streichorchesters. Dafür hat er zukünftig sicherlich mehr Zeit. Und vielleicht steht dann auch eine Kantate seines Lieblingskomponisten Johann Sebastian Bach auf dem Programm: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist.“ Diese Worte waren das Leitmotiv für sein Tun und Handeln als Lehrer und Schulleiter in den vergangenen 41 Jahren an der Bodenwaldschule Winnenden.
Nachfolger von Gottfried Götz wird Phillipp Steinat, der bereits seit 2009 als Sonderpädagoge an der Bodenwaldschule tätig ist.
















