Mit einer eindrucksvollen Protestaktion in Stuttgart ist vor kurzem die landesweite Kampagne „Nicht am Menschen sparen“ gestartet. Rund um den Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung setzen soziale Einrichtungen, Betroffene und Angehörige damit ein deutliches Zeichen gegen drohende Kürzungen im Sozialbereich – und machen gleichzeitig konkrete Vorschläge, wie Einsparungen auch ohne Leistungskürzungen möglich sind.
Vor der Geschäftsstelle der Offenen Hilfen Stuttgart der Diakonie Stetten wurde das Kampagnenmotiv „Nicht am Menschen sparen“ mit einem roten Kreuz im XXL-Format inszeniert. Menschen mit Unterstützungsbedarf, Angehörige und Mitarbeitende machten deutlich: „Ich bin kein Sparpotenzial.“
Ebenso hat die Paulinenpflege am Sonntag im Rahmen ihres inklusiven Festivals „Pauline bebt!“ in Winnenden Flagge bzw. Kreuz gezeigt. „Nicht die Menschen sind zu teuer – sondern die Bürokratie. Menschen mit Behinderung sind für ihr Leben in unterschiedlicher Weise auf Unterstützung angewiesen. Hier zu sparen bedeutet Teilhabe zu erschweren. Und das, obwohl Teilhabe in unserer Gesellschaft ohnehin noch unzureichend ermöglicht wird. Gleichzeit wurden in Baden-Württemberg zur Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes in den letzten Jahren weit über hundert Stellen bei Ämtern und in Verwaltungen aufgebaut. Das kostet Millionen. Hier muss dringend gespart werden!“ so Paulinenpflege-Vorstand Andreas Maurer.
Im Namen aller Angehörigen ergänzt der Vorsitzende des Angehörigenbeirats der Paulinenpflege Wilfried Weyl: „Bei Leistungskürzungen hat dies einen direkten Einfluss auf die Menschen mit Beeinträchtigung. Ihren Angehörigen, Eltern und Geschwistern würde die Unterstützung entzogen, die sie für ihre Angehörigen dringend brauchen. Sparen auf Kosten der Bedürftigen entspricht in keiner Weise Artikel 1 des Grundgesetzes: ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.‘ Was bleibt von der Idee, die hinter dem BundesTeilHabeGesetz steht? Bleibt diese auf der Strecke? In der Bibel steht in Matthäus 7, 20: ‚An ihren Früchten (Taten) werdet ihr sie erkennen.'“
Hinter der Kampagne steht ein Bündnis von 15 sozialen Einrichtungen und Verbänden. Gemeinsam erreichen sie deutlich über 40.000 Menschen mit Unterstützungsbedarf. Die zentrale Botschaft des Bündnisses geht über ein „Nein“ zu Kürzungen hinaus: Es gibt realistische Möglichkeiten zu sparen – ohne bei den Menschen zu sparen. Ein bislang zu wenig genutztes Potenzial liegt im Abbau von Bürokratie: Uneinheitliche Verfahren, mehrfach zu erfassende Daten, fehlende digitale Lösungen sowie hohe Abstimmungs- und Verwaltungsaufwände.
Eine aktuelle Untersuchung zeigt: In der direkten Betreuung gehen im Schnitt rund eineinhalb Stunden täglich für rein bürokratische Tätigkeiten verloren. Diese Zeit fehlt dort, wo Unterstützung wirkt – bei den Menschen. Gelingt es, diese Bürokratie zu reduzieren, profitieren alle: Menschen mit Unterstützungsbedarf, Angehörige, Mitarbeitende, Einrichtungen – und auch Kommunen, Land und Bund, weil knappe Mittel wirksamer eingesetzt werden können. Damit versteht sich die Kampagne als konstruktiver Beitrag zur aktuellen Spar- und Reformdebatte.
Parallel zum Kampagnenstart wurde eine Online-Petition gestartet. Ziel sind mindestens 25.000 Unterschriften. Diese klicken Sie unter www.nichtammenschensparen.de Hier finden Sie auch weitere Informationen zu #NichtAmMenschenSparen
















